Pläne für Ihlpohl und Stendorf
Gemeinde Ritterhude will bei Projekten in Ihlpohl und Stendorf eigenes Risiko reduzieren

TEXT: Brigitte Lange (Osterholzer Kreisblatt)
Ritterhude. Die Gemeinde Ritterhude muss in ihre Feuerwehren investieren, wie viele andere Kommunen auch. An zwei Standorten soll neu gebaut werden: in Ihlpohl und in Stendorf. Dazu will die Ritterhuder Verwaltung neue Wege beschreiten. Wege, die ihres Wissens so noch keine andere Kommune im Landkreis Osterholz eingeschlagen hat. Den Mitgliedern des Finanz- und des Bauausschusses wurden diese nun vorgestellt.
Normalerweise wäre Ritterhude bei dem Großprojekt nicht nur Bauherr. Die Gemeinde würde auch jeden Schritt selbst koordinieren und überwachen, wäre Bauleiter und Projektmanager in einem. Sie würde jedes Gewerk selbst vergeben und den Bau Schritt für Schritt finanzieren. Der Arbeitsaufwand für die Verwaltung und die Risiken einer solchen Baubegleitung könnten allerdings zu Verzögerungen führen, befürchtet man im Rathaus. Das will die Gemeinde nicht. Denn Verzögerungen gab es bei dem Projekt bereits reichlich und durch einen gesetzlich vorgegebenen sechsmonatigen Bieterwettbewerb wird es weitere geben (wir berichteten). Betroffen davon sind vor allem die Mitglieder der fusionierten Feuerwehr Ihlpohl-Platjenwerbe, die schon seit Jahren darauf warten, gemeinsam an den Heidkamp-Nord ziehen zu können.
Das Büro „PD – Berater der öffentlichen Hand“ hat der Ritterhuder Verwaltung den neuen Weg aufgezeigt. Es schlägt vor, einen Totalunternehmer zu beauftragen. Dieser würde das Vorhaben schlüsselfertig umsetzen. Die Verwaltung wäre damit im Anschluss an den Bieterwettbewerb und die Auftragsvergabe aus der Projektbetreuung raus. Mehr noch: Die Gemeinde müsste erst nach Fertigstellung den vereinbarten Festpreis zahlen. Weder müsste sie zwischenfinanzieren noch das Insolvenzrisiko einer Baufirma tragen. Darauf wiesen jetzt die PD-Mitarbeiter Tobias Bergen und Sabine Schröder hin.
Kehrseite der Medaille: Die Gemeinde sollte während des Baus tunlichst keine nachträglichen Änderungen vorbringen. Das würde teuer. Daher müsse in die funktionale Leistungsbeschreibung, auf der der Vertrag basieren wird, „sehr viel Gehirnschmalz gesteckt werden“. In dem Punkt stimmte Berater Tobias Bergen dem Seniorenbeiratsmitglied Günter Pröpping zu, der aus beruflicher Erfahrung darauf hingewiesen hatte.
Tatsächlich ist das schlüsselfertige Bauen mit einem Totalunternehmer für Kommunen nur in Ausnahmen möglich, erklärte Sabine Schröder. Es müsse technische oder wirtschaftliche Gründe geben. Und obwohl es sich um Feuerwehrhäuser handelt, reiche der Technik-Aspekt alleine nicht aus. Also hatte die Verwaltung PD zunächst auch mit einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung beauftragt. Das Ergebnis lag nun vor und würde eine Vergabe an einen Totalunternehmer ermöglichen.
Angenommen wurde dafür, dass beide Feuerwehrhäuser Heidkamp-Nord und Im Strenge zusammen gebaut werden – entweder in Eigenregie oder mit Totalunternehmer. Eine Variante sah dabei auch vor, das Projekt am Heidkamp-Nord um ein Gefahrenabwehrzentrum im Obergeschoss des Feuerwehrhauses plus zusätzlicher Lagerhalle zu erweitern. Auch dies wurde für die Eigenregie-Lösung und die Umsetzung durch einen Totalunternehmer durchgerechnet.

Am Ende der Präsentation stimmten Finanz- und Bauausschuss bei einer Gegenstimme dafür, beide Feuerwehrhäuser und das Gefahrenabwehrzentrum durch einen Totalunternehmer bauen zu lassen. Denn die Untersuchung hatte ergeben, dass der Bau des Gesamtpakets durch einen Totalunternehmer für die Gemeinde um 5,05 Prozent günstiger ausfallen würde als der Bau in Eigenregie. Konkret kam PD auf einen barwertigen Vorteil von gut 700.000 Euro für die Gemeinde Ritterhude – bei Gesamtkosten von 13,275 Millionen Euro mit Totalunternehmer. Für dasselbe Projekt würden die Ausgaben beim Bau in Eigenregie bei brutto 13,982 Millionen Euro liegen. Ohne zusätzliches Gefahrenabwehrzentrum bliebe laut Kalkulation immer noch ein Kostenvorteil: 10,772 Millionen Euro wären es in Eigenregie und 10,245 Millionen Euro mit einem Totalunternehmer.
Doch Markus Lehmann (CDU) und Wolfgang Goltsche (Grüne) zögerten. Eine Marge von fünf Prozent erschien ihnen gering. Insbesondere, da sich die Kosten im weiteren Verlauf der Planung noch um plus/minus 20 Prozent verändern könnten. Darauf hatten Schröder und Bergen auch hingewiesen. Doch Ines Janßen, Leiterin des Sachgebiets Sicherheit und Ordnung, stellte den Verwaltungsaufwand dagegen, den ein Bau in Eigenregie mit sich brächte. Es würde zu zeitlichen Verzögerungen kommen, betonte Janßen. Die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter sei nämlich nicht geplant und selbst wenn doch: Fachkräfte seien nicht leicht zu finden, so die Sachgebietsleiterin. Der Totalunternehmer hingegen lege sich vertraglich fest, bis zum vereinbarten Zeitpunkt fertig zu sein.
Timo Koschnick (FDP) unterstützte die Verwaltungspläne mit dem Hinweis auf das geringere Risiko für die Gemeinde. „Und die Zeitersparnis ist noch wichtiger“, unterstrich Bernd Mattfeldt (CDU). Laut PD könnten im Fall der Fälle beide Gebäude mitsamt Gefahrenabwehrzentrum im November 2029 fertig sein. Dem Wunsch der Politiker, über den weiteren Verlauf des Verfahrens regelmäßig informiert zu werden, will die Verwaltung nachkommen. Der Forderung von Wolfgang Goltsche jedoch, der Rat solle im weiteren Prozess mitbestimmen können, erteilten Verwaltung und politische Mehrheit eine Absage. Am Donnerstag, 26. Februar, entscheidet der Gemeinderat. Sitzungsbeginn im Rathaus ist um 19 Uhr.
Das Gefahrenabwehrzentrum
Auf Rückfrage von Bernd Mattfeldt (CDU), wozu das Gefahrenabwehrzentrum dienen solle, teilte Sachgebietsleiterin Ines Janßen mit, dass Gemeinden in einem Krisen- oder Katastrophenfall dazu verpflichtet seien, ein Prozent ihrer Bevölkerung aktiv zu schützen und dafür Vorsorge zu treffen. „Wir müssen uns um die Menschen kümmern können.“ In ihrer Sitzungsunterlage spricht die Verwaltung daher auch von der Schaffung eines „Infrastrukturstandorts für die Bereiche Gefahrenabwehr, Zivil- und Bevölkerungsschutz“. Um diesen Schutz zu organisieren, brauche es Räume, in denen sich das Krisenmanagement-Team abstimme. Diese Räume müssten unter anderem eine autarke Technik besitzen. In der Gefahrenabwehrhalle, die 500 Quadratmeter messen soll, könne die Gemeinde außerdem alles einlagern, „was wir für die Bevölkerung brauchen“, so Janßen. Beispielsweise Sandsäcke, die dort abgefüllt auf Paletten für einen Überschwemmungsfall gelagert würden. Weiter teilte die Verwaltung mit, dass sie mit der Gefahrenabwehr nur dem Bund, nicht dem Landkreis Osterholz, unterstehe.
